Wir vermissen Manu seit:




Unfall & Beerdigung


Tag des Unfalls


Der 07.06.06 war ein nerviger Tag. Ich war schon den ganzen Tag unruhig. Manu war schlecht gelaunt, weil er Ärger auf der Arbeit hatte. Ein Freund hatte auf der Rückfahrt von Renesse einen Unfall mit Manus Auto. Jemand war auf das Auto aufgefahren und hatte Blechschaden verursacht. Da das nicht der erste Unfall war, an dem Manuel beteiligt war, manchmal schuldlos, manchmal nicht, reagierte einer seiner Chefs wohl etwas „sensibel“. Er drohte Manu, ihm das Auto wegzunehmen.

Als Manu von der Arbeit kam, aßen wir wie immer zusammen. Danach legte er sich auf die Couch, um etwas zu schlafen. Ich fuhr mit seinem Auto in ein Fitness-Studio, um mich zu informieren.

Ich weiß noch, dass ich sehr vorsichtig fuhr, damit dem Auto ja nichts passiert. Später ging ich dann mit den Hunden. Als ich zurückkam, hörte ich, dass sich das Garagentor öffnete. Ich lief schnell in die Garage zu Manu. Er sagte ,er wolle nur  ein bisschen, rumfahren. Thommy hätte keine Zeit, da er seinem Vater helfen müsse. Und Isabell, eine Arbeitskollegin, mit der er sich eigentlich treffen wollte, war in der Eifel hängen geblieben. Ich versuchte ihn zu überreden, den Rasen zu mähen, der es dringend nötig hatte. Aber Manu wollte nicht. Dann kam noch eine Nachbarin, und wir redeten eine Weile. Ich merkte, Manu war abwesend. Er antwortete zwar und lachte auch. Aber er war irgendwie nicht mehr da. Ich ließ ihn wegfahren und sah ihm noch nach.

Dann ging ich in mein Arbeitszimmer, um zu arbeiten. Irgendwann abends rief ich Manu auf seinem Handy an. Aber er ging nicht dran. Das muss genau zum Zeitpunkt des Unfalls gewesen sein. Ich war unruhig und versuchte, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren .

Später sah ich plötzlich einen Polizeibeamten an meinem Fenster vorbei gehen. Ich wusste sofort, dass er zu mir wollte. Ich ging zur Tür noch bevor er klingelte. Er stand vor mir und stotterte an meinem Namen herum (Doppelname). Ich unterbrach ihn und fragte, ob etwas mit meinem Sohn passiert wäre. Er antwortete nicht auf meine Frage. Er wollte ins Haus kommen, und er wollte sich unbedingt setzen. Zu dem Zeitpunkt war mir schon klar, dass Manu einen Unfall gehabt hatte. Ich dachte: „Warum verschwendet der soviel Zeit? Kann der mich nicht ins Krankenhaus fahren zu meinem Sohn?“

Aber er bewegte sich nicht. Also gingen wir ins Arbeitszimmer und setzten uns. Der Polizist fragte, ob das Motorrad mit dem Kennzeichen ... meins wäre. Und ich konnte mich nicht mehr an das Kennzeichen erinnern. Dann wollte er wissen, ob Manu eine schwarze Lederkombi mit einem bestimmten Schriftzug angehabt hatte. Und ich hatte keine Ahnung mehr, was Manu anhatte als er losfuhr. Ich sah ihn vor mir in seiner bevorzugten weißen Freizeitkleidung.

Der Polizist meinte, es habe einen Unfall gegeben mit tödlichem Ausgang, und der Fahrer hätte keine Papiere dabei gehabt. Ich überlegte, wem Manu das Motorrad geliehen haben könnte. Der Polizist wollte Manus Papiere sehen. Ich gab ihm das ganze Portemonnaie. Dann sagte er, der tote Fahrer sei mein Sohn Manuel und ich solle mitkommen, um ihn zu identifizieren.
Was diese Nachricht in mir auslöste ist unbeschreiblich. Das war wie eine riesige, alles auslöschende Welle. So gewaltig, dass kein Raum mehr blieb für Schmerz.

Ich versuchte meinen Ex-Mann und meine Tochter zu erreichen. Beide gingen nicht ans Telefon. Meinem Ex-Mann sprach ich auf Band. Er rief direkt zurück. Ich gab das Telefon dem Polizisten, der ihm dann die Nachricht beibrachte. Ich versuchte, mich an Uli’s Haus-telefonnummer zu erinnern, aber die war auch weg. Dann telefonierte ich mit Thommy. Der fragte nur, ob das ein Scherz wäre. Und er hatte Recht. Manu nicht mehr da war unvorstellbar. Anschließend sprach ich mit Claudia. Sie fing sofort an zu weinen. Sie hat wohl am schnellsten begriffen. Danach erreichte ich meinen Ex-Lebensgefährten in Irland. Er wollte sofort ‚rüberkommen. Er veranlasste, dass ich Hilfe bekam. Er informierte unseren ehemaligen Nachbarn Andreas, der sofort mit Nicole zu mir kam und mit dem Polizisten verschiedene Formalitäten erledigte. Vielen Dank dafür Andreas!

Das Haus hatte sich zwischenzeitlich mit Menschen gefüllt. Hauptsächlich waren das Manus
Freunde.

Dem Polizisten hatte ich klargemacht, dass ich nicht mitkommen würde, um meinen Sohn zu identifizieren. Wenn ich ihn so ansehen würde, hieße das, seinen Tod zu akzeptieren. Und das wollte ich auf gar keinen Fall, weder damals noch heute.

In vielen anderen Gedenkseiten habe ich gelesen, dass es wichtig war für die Familien-angehörigen, sich zu verabschieden. Aber für mich kam das nicht in Frage. Ich wollte mich nicht verabschieden. Ich wusste zwar, er kommt nicht mehr zu mir nach Hause. Dann würde ich ihn eben suchen; egal wo er sich aufhält würde ich ihn finden. Auf die eine oder andere Weise.

Irgendwann gingen wir alle nach draußen. Wir standen eine Zeit lang 'rum. Plötzlich fing Thommy an, ganz laut zu schreien. Und meine Seele stimmte mit ein. Mein Schmerz konnte
sich lösen. Hätte ich selbst geschrieen, hätte ich nie mehr aufhören können, und mein Geist hätte sich verabschiedet für immer.




Traueranzeigen | Danksagung

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Ulis Schilderung vom Unfall

Diesen Abend werde ich nie vergessen. Er begann völlig normal; ich machte Hausaufgaben im Wohnzimmer. Ich schrieb Manuel eine SMS. Ca. 30 Minuten später klingelte mein Handy. Ich ging nicht dran; ich hatte jetzt keine Lust zu telefonieren und schaltete es auf stumm.

Darauf klingelte das Haustelefon. Das konnte ich nicht einfach ignorieren, also ging ich dran. Mein Vater meldete sich mit folgenden Worten: „Hast du es schon gehört? Manuel hat sich tot gefahren?“ Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis diese Nachricht tatsächlich ankam. Es schien mir ewig. Mein Vater bat mich außerdem, mit zur Identifikation zu fahren. Er würde vor dem Haus meiner Mutter auf mich warten. Ich sagte ihm zu und fuhr los.

Während der Fahrt, zum Glück musste ich nicht selber fahren, saß ich die meiste Zeit apathisch im Sitz. Ich rief einen Freund meines Bruders an, um ihn zu informieren und in der Hoffnung, er würde auch den anderen Bescheid sagen. Er tat es.

Bei meiner Mutter angekommen, traf ich meinen Vater. Mein Freund hatte allerdings auf mich eingewirkt, ich solle meinen Bruder nicht ansehen. Ich solle ihn so in Erinnerung behalten wie er war. Ich hörte auf ihn, ich war in dem Moment auch nicht fähig, selber zu denken. Also erklärte ich meinem Vater, ich könne nicht mitkommen.

Wenn ich heute zurück denke, weiß ich nicht, ob das die richtige Entscheidung war. Auf der einen Seite bin ich froh, dass sich der Anblick meines toten Bruders nicht in meine Erinnerungen eingebrannt hat. Auf der anderen Seite ist der Zweifel. Ich hätte mich ordentlich verabschieden können, hätte ihn ein letztes Mal gesehen, hätte die Tatsache vielleicht akzeptieren können und einen Abschluss gefunden. Irgendwann. Auch hätte ich meinen Vater nicht alleine fahren lassen sollen. Das tut mir jetzt sehr leid.

Mein Freund und ich betraten das Haus meiner Mutter. Der Polizist war noch bei ihr. Auch meine Oma, ein damaliger Nachbar und der Freund meines Bruders, den ich während der Fahrt anrief, waren dort. Jeder schien völlig fehl am Platz, keiner wusste genau, was er sagen sollte. Also schwiegen wir.
Nach und nach trafen Manus Freunde ein. Wir setzten uns in das Wohnzimmer. Eigentlich wollte jeder gerne wissen, was genau passiert ist. Es hieß, er sei mit einem Tieflader kollidiert. Genaueres wusste niemand. Irgendwann fuhren wir nach Hause.
Am nächsten Tag hatte ich mich mit meinem Vater verabredet. Wir sollten zur Polizeidienststelle in Euskirchen kommen, um die persönlichen Sachen meines Bruders abzuholen. Auch wollte der Polizist über den genauen Unfallhergang informieren.
Manus Unfallstelle

Dort angekommen bekamen wir die EC-Karte und sein Handy ausgeliefert. Mit der EC-Karte hatten sie ihn identifizieren können, denn andere Personalien trug er beim Motorradfahren nie bei sich; es hätte nicht in seine Kombi gepasst. Das Handy sah ziemlich lädiert aus, doch konnte ich sehen, dass er meine SMS nicht mehr gelesen hatte. Ich hatte ihm genau zum Zeitpunkt des Unfalls geschrieben. Wenn man darüber nachdenkt, ist es schon merkwürdig. Ich weiß, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt so intensiv an ihn gedacht habe, dass ich das Bedürfnis hatte, mich bei ihm zu melden.

Anschließend wollte der Polizist auf den Unfallhergang eingehen und holte eine Mappe mit Photos hervor. Auf dem ersten Bild sah ich das eingeklemmte Motorrad und die Klamotten meines Bruders. Außerdem ein weißes Leichentuch, mit dem mein Bruder bedeckt war. Ich wollte das nicht sehen. Ich verließ den Raum. Auch das bereue ich heute. Aber damals ging es einfach nicht.

Mein Vater berichtete später über den Unfall. Es hätte sich so zugetragen, dass mein Bruder mit überhöhter Geschwindigkeit (wie viel schneller wusste noch keiner) der Einmündung näherte. Dort war bereits ein LKW mit Tieflader losgefahren. Da der LKW jedoch so lang war, befand er sich noch auf der Spur meines Bruders, als er ankam. Mein Bruder leitete direkt eine Vollbremsung ein, weil ihm klar gewesen sein musste, dass er das sonst nicht schafft. Auf der Straße war eine schwarze Bremsspur zu sehen von mindestens 50 m.

Er schaffte es trotz Vollbremsung nicht. Erst betätigte er angeblich nur die hintere Bremse, die sofort blockierte. Als er merkte, er schafft es nicht, benutzte er auch die Vorderbremse. Daraufhin überschlug er sich und prallte auf den Boden, schliff samt Motorrad weiter und wurde unter dem Tieflader eingeklemmt.

Es waren sofort Ersthelfer zur Stelle, darunter auch ein Arzt. Als ihm der Helm abgezogen wurde, war er bei Bewusstsein. Die Ersthelferin erzählte einem Bekannten, sie hätte noch nie so schöne blaue Augen gesehen. Sie sagte meinem Bruder, es würde alles gut werden. Wenn er sie verstehe, solle er ihre Hand drücken. Das tat er wohl, dann wurde er ohnmächtig und starb. Der Rettungsdienst konnte nichts mehr für ihn tun. Mein Bruder starb an einem Schädelhirntrauma.



Manus Beerdigung aus der Sicht seiner Schwester Uli


Die Beerdigung fand am 27. Juni 2006 auf dem Friedhof Köln West statt. Ich erinnere mich, dass ich mich in normaler Laune ankleidete, ich war nicht fröhlich. Wie hätte ich auch gekonnt? Aber ich war in dem Augenblick auch nicht frustriert oder traurig. Ich denke, ich war betäubt.

Wir stiegen in das Auto, in Manuels Auto. In den silbernen Opel Tigra, auf den er damals so stolz war. Überpünktlich trafen wir am Friedhof ein. Wir waren nicht die ersten Trauergäste. Einige von Manuels Freunden aus der Horremer Clique, ein paar Arbeitskollegen meines Vaters und Menschen, die ich nie zuvor gesehen habe, waren schon dort. Von Minute zu Minute wurden es immer mehr, sodass ich mich zwangsläufig fragte, wie in aller Welt diese ganzen Trauernden in die Halle passen sollten. In diesem Augenblick fühlte ich mich irgendwie stolz. Ein unpassendes Gefühl für eine Beerdigung, aber ich war stolz, dass mein Bruder von so vielen Menschen geliebt wurde, dass sie alle von ihm Abschied nehmen wollten.

Aber ich bekam auch etwas Angst. Ich hatte eine Abschiedsrede vorbereitet, und war nicht sicher, ob ich sie vortragen sollte. Ich halte nicht gerne Reden vor fremden Menschen, vor allem nicht, wenn es sich um eine so persönliche Rede handelt. Deswegen sagte ich meinem Vater, der zwischenzeitlich eingetroffen war, dass ich die Rede nicht halten wolle.

Kurz danach kam meine Mutter. Sie war mit Manuels bestem Freund Thommy gefahren. Wir gingen alle zusammen in die Friedhofskapelle und nahmen Platz. Die Familie saß ganz vorne links und Manuels besten Freunde hatten vorne rechts Platz genommen. Der Anblick war wirklich erstaunlich. Vorne in der Mitte stand die Urne auf einem Podest, geschmückt mit einem Blumenkranz. Um das Podest waren zahlreiche Kränze und Schalen mit den schönsten Blumen aufgebaut. Hinter der Urne stand ein sehr schönes Bild meines Bruders, das ihn so zeigte, wie er war: fröhlich, heiter, ein lebensfroher Mensch, mit spitzbübischen Augen.

Wie ich es geahnt hatte, waren alle Plätze der Kapelle belegt, es mussten sogar viele Trauergäste stehen. Ich habe mich nicht umgesehen, aber mir wurde berichtet, dass die Freunde bis nach draußen standen.

Nach einem Kirchenlied, dass mir überhaupt nicht zusagte und dem Lied von Glashaus „Haltet die Welt an“, sowie einem Lied von Xavier Naidoo „Abschied nehmen“ trat Pater Norbert vor um seine Trauerrede zu beginnen. Was soll ich sagen; ich war entsetzt. Er sagte am Abend vorher, er wolle kein Salz in die Wunden streuen, womit wir einverstanden waren. Aber meinen Bruder, die Person des Geschehens so gänzlich zu ignorieren war eine Frechheit. Er schwafelte über Jesus, über Verse aus der Bibel, über Gott. Aber wo blieb mein Bruder? Ich wollte getröstet werden, hören, dass es meinem Bruder gut geht oder zumindest noch mal schöne Zeiten durch die Erinnerungen wiederbeleben. Nach religiösen Humbug stand mit der Sinn allerdings überhaupt nicht.

Ich war so dankbar, als er endlich aufhörte zu reden. Angst hin oder her, ich musste meine Abschiedsrede halten. Ich dachte gar nicht darüber nach, ich wollte nur, dass meinem Bruder so gedacht wurde, wie er war. Ich erinnere mich, dass ich die Rede nicht ablesen brauchte. Ich hatte sie so oft gelesen. Ich blickte nicht auf. Ich hätte auch nichts gesehen. Der Augenblick war schnell vorbei. Aber ich fühlte mich gut im Anschluss. Ich hatte das Gefühl, Manuel etwas von dem gesagt zu haben, was ich fühlte. Im Anschluss trat Thommy nach vorne und hielt eine sehr ergreifende Rede. Ich denke, in dem Augenblick ist kein Auge trocken geblieben. Aber es stimmte alles. Er spiegelte meinen Bruder, wie er war; und dafür bin ich ihm auch heute noch sehr dankbar.

Dann kam das schwerste: Mein Vater trug die Urne meines Bruders zu seinem Grab. Meine Mutter ging neben ihm. Niemals zuvor habe ich so viel Schmerz in den Augen von Menschen gesehen. Niemand sollte sein eigenes Kind zu Grabe tragen müssen! Die Trauergäste bildeten dahinter eine Schlange und zusammen gingen wir zum Familiengrab der Familie Kotthoff.

Es war bereits ein Loch ausgehoben, in das die Urne nun eingelassen wurde. Pater Norbert sprach noch ein paar überflüssige Worte und trat dann zur Seite. Dann bekamen alle Trauergäste die Gelegenheit, Manuel etwas in das Grab zu legen und sich zu verabschieden.
Für mich war das schlimmste, das wir als Familie stehen bleiben und die Beileidsbekundungen annehmen mussten. Es ist natürlich sehr freundlich gewesen, aber es hat so verdammt weh getan jedem einzelnen in die traurigen Augen gucken zu müssen.

Ich war erleichtert, als wir im Anschluss zu den Autos zurück kehren konnten. Das war der schmerzlichste Weg, den ich je gegangen bin, und ich möchte nie wieder so eine Erfahrung machen müssen.





Trauerrede von Manus Schwester Uli

Das Du nicht mehr da bist, ist nach wie vor unbegreiflich für mich. Immer wieder habe ich das Handy in der Hand, wähle Deine Nummer und merke im letzten Augenblick, dass mein Anruf nicht zu Dir durch dringen wird. Ich merke, dass ich Deine Stimme nie wieder hören werde.

Das sind die schmerzhaften Augenblicke, in denen mir klar wird, dass ich Dich verloren habe: das wir nie wieder stundenlang telefonieren werden oder zusammen in Köln einkaufen gehen oder einfach nur ewiglange DVD-Abende bei Kaminfeuer machen.

Ich habe nicht nur einfach meinen Bruder verloren! Ich habe den Menschen verloren, dem ich 100% vertrauen konnte! Du warst immer für mich da, wenn es mir schlecht ging. Wenn ich traurig war, war es Deine Schulter, an die ich mich anlehnen konnte. Mit Dir habe ich gelacht und geweint. Mit Dir habe ich sehr schlimme Zeiten durchgestanden. Du hast mich beschützt, wenn mich jemand bedroht hat. Nur Dir konnte ich alles anvertrauen. Ich wusste genau, dass meine Geheimnisse bei Dir sicher aufgehoben waren.

Wenn ich tief gefallen bin, war es Dein Lachen und Deine aufmunternden Worte, die mich wieder aus meinem Tief befreit haben.

Ich wünschte, Du könntest jetzt zu mir sagen: „Hey Schwesterchen, Kopf hoch!“ Ich wünschte, ich würde aufwachen, und alles war nur ein böser Traum. Doch das wird nicht passieren. Das Einzige was ich noch tun kann, ist hoffen, dass es Dir gut geht, wo immer Du jetzt auch bist.

Du wirst immer in meinem Herzen bleiben!



Trauerrede von Manus Freund Thommy


Mein Chef hat mir vor ein paar Wochen gesagt, "Genieße die Zeit, die Du mit Deinen Freunden hast, denn sie ist schneller vorbei als man denkt." Das er damit Recht hat war mir irgendwie klar. Irgendwann hat jeder eine Familie oder andere Aufgaben, die einem die Zeit nehmen. Die Zeit mit Freunden zu lachen, ein Wochenende Party zu machen oder mit ihnen in Urlaub zu fahren wird dann immer weniger und kostbarer. Dass einem aber die Zeit durch den Tod geklaut wird, damit hätte ich nie gerechnet.

Die Tatsache dass Manuel nicht mehr anruft, nicht mehr vorbeikommt oder nicht mehr am Wochenende mit auf Piste geht ist eigentlich unvorstellbar. Wir alle können wohl nicht verstehen warum Manuel sterben musste. Mit 22 Jahren da hat man Träume, Wünsche und Ideen. Manuels größter Traum war wohl ein unbeschwertes Leben auf Ibiza. Er hat mich immer gefragt, ob ich mit ihm kommen würde. Ich war zwar immer etwas skeptisch, aber ja, jetzt würde ich wohl alles dafür tun um mit Manuel nach Ibiza zu gehen. Das ein so junger Mensch einfach von jetzt auf gleich aus seinem Leben gerissen wird und seine Träume und Wünsche nicht mehr realisieren kann ist nicht nur unbegreiflich sondern schmerzt zutiefst.

Manuel war einer der liebens-würdigsten und lebenslustigsten Menschen die ich kenne. Er war zwar manchmal etwas hitzköpfig oder schnell reizbar, aber egal wo er auftauchte, es dauerte nicht lange und die gute Laune folgte ihm. Egal wie schlecht es ihm ging, er konnte die Leute zum Lachen bringen. Man merkte ihm seine schlechte Laune oder Verärgerungen zwar an, aber Manuels Lebensfreude stand immer im Vordergrund. Es ist einfach unver-ständlich wie man einem Menschen das Leben nehmen kann das er so sehr liebte.

An dem Wochenende vor seinem Unfall waren wir mit Manuel in Renesse. Und wenn da schon alles vorbestimmt war, dann haben wir ihm und uns einen unvergesslichen Abschied bereitet ohne es zu merken. Schon während dieses Wochenendes war eigentlich klar, dass wir nächstes Jahr wieder nach Renesse fahren wollen. Für mich persönlich ist es komisch zu sehen mit welcher Selbstverständlichkeit man im Voraus geplant hat und jetzt durch den Verlust eines Freundes eigentlich jeden Tag genießen sollte. Aber kann man den Tag genießen, wenn der beste Freund nicht mehr da ist?

Manuel ist Sohn, Bruder, Enkel, Kumpel, Arbeitskollege und mein bester Freund. Er hatte einen Platz in unseren Herzen und wird nun einen noch größeren einnehmen. In unserer Traueranzeige haben wir geschrieben:

"Und wenn Du dich getröstet hast,
wirst Du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst Dich immer daran erinnern,
wie gerne Du mit mir gelacht hast."


Ich hoffe dass Manuel, wo immer er jetzt auch ist, dies sagen würde.

Du wirst mir jeden Tag fehlen und ich werde Dich nie vergessen. Hoffentlich sehen wir uns irgendwann wieder!




Die Karte haben wir auf dem Grab gefunden.
Das Bild ist vom Regen etwas verwischt.

Die vier Mädchen hat Manu in Renesse am Wochenende vor dem Unfall kennen gelernt. Er hat mir noch von ihnen erzählt und mir Bilder gezeigt. Er sagte: „Wir (die Jungs) hatten nur an Getränke und Fleisch zum Grillen gedacht. Aber die Mädchen hatten Paprika, Zwiebeln, Zuccini, Pilze und Gurken mit. Das war das einzige Gemüse, das wir am Wochenende gegessen haben.“


Text auf der Karte...

Lieber Manuel,

wir wissen nicht ob unsere Worte dich jemals erreichen und wir wissen auch nicht worin der Sinn liegt, dass du so früh von uns gehen musstest. Das einzige was uns bleibt, ist die Hoffnung. Die Hoffnung, dass es irgendeinen Sinn hat, den wir nicht erkennen können. Die Hoffnung, dass wir dich irgendwann wiedersehen. Wir sind froh, dass wir dich kennenlernen durften und so tolle Tage in Renesse verbracht haben.

Wir werden dich nie vergessen...

 

schmetterlinge

Schmetterlinge

Ca. ein bis zwei Wochen nach Manus Unfall ereignete sich etwas Merkwürdiges:
In meiner Nähe tauchten Schmetterlinge auf. Zuerst nahm ich sie nur am Rande wahr. Aber dann wurden es immer mehr und mehr, und ich sah sie bewusst. In meinem Vorgarten und im Garten des gegenüberliegenden Hauses sah ich Schmetterlinge zu Hunderten. Es war ein einziges Flirren. Ganze Schwärme der kleinen Flatterer bevölkerten die Blumen. Aber auch größere wunderschöne, bunte Schmetterlinge, die ich vorher noch nie gesehen hatte, tauchten auf. Ein Nachbar holte ein Buch und versuchte, die verschiedenen Arten zu erkennen. Die Schmetterlingsschwärme blieben ungefähr sieben bis zehn Tage vor meinem Haus, und nur dort. Sie waren jeden Tag da. Es sah aus, als schwebte über den Blumen ein silberner Nebel. Nach Manus Beerdigung waren alle Schmetterlinge plötzlich verschwunden und tauchten auch nicht wieder auf. Erst viel später sagte mir jemand, dass Schmetterlinge als Gruß aus dem Jenseits angesehen werden. Wenn das so ist, dann passte sowohl die Anzahl wie auch die Schönheit dieser Falter zu Manu. Ich bin sicher, er wollte mir sagen:“ Hier ist alles super , mir geht es gut!“
   
[ 1 ] [ 2 (Gutachten)]