Wir vermissen Manu seit:




Leben mit Manuel



Mein Sohn Manuel Dominik Kotthoff wurde am 15.12.1983 in Engelskirchen geboren. Er war ein süßes, dickes, freundliches und pflegeleichtes Baby. Seine fröhliche Natur machte sich sehr schnell bemerkbar. Er lächelte schon sehr früh ganz bewusst und er weinte selten. Als wir nach einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurden, sind Manus Vater und ich zum Standesamt gefahren, um unseren Sohn anzumelden. Der Name „Manuel“ stand immer fest. Aber ich wollte gern noch einen zweiten Namen eintragen lassen. Wir hatten uns dann für „Dominik“ entschieden. Als wir vor der Tür des Standesamts standen, wussten wir plötzlich beide nicht mehr, wie unser Sohn heißen sollte. So mussten wir wieder nach Hause fahren, und den Namen nachschlagen.




Baby Manu

Manu mit Mama Manu mit Papa


16 Monate später, am 16.04.1985, wurde unsere Tochter Ulrike Christin geboren. Manuel hat sofort die Rolle des großen Bruders übernommen. Und das hat sich auch nie geändert. Als die Kinder noch klein waren, hat Manu seiner Schwester den Nuki aufgehoben oder ihr Spielzeug gebracht. Später dann hat er sie begleitet, wenn sie irgendwelche Termine wahrnehmen musste. Zum Ausgleich für seine Beschützerrolle hat er schnell gelernt, die kleinen Pflichten an seine Schwester zu delegieren: z.B. Aufräumen. Das war für Manu reine Zeitver-schwendung. Auch das Binden seiner Schuhe hat Uli übernommen. Ich weiß nicht mehr genau, wann Manu gelernt hat, eine Schleife zu binden. Aber im Kindergarten und in der Grundschule hat er das „Einschleifen“, wie meine Enkelin sagen würde, der Uli übertragen. Ein weiteres Thema war das Malen in der Grundschule. Manu hat nichts so sehr gehasst wie Bilder malen. Also wurde diese Aufgabe auch der Uli übergeben. Manu brauchte Stunden für ein Bild, und Uli war in zehn Minuten fertig. Manuel war immer stolz auf seine Schwester. Er hat ihre Fähigkeiten bewundert und war nie eifersüchtig, sondern hat ihr Können für sich genutzt und seine Vorteile daraus gezogen. Manuel war immer sehr selbstbewusst. Er kannte seine Schwächen und Stärken ganz genau und konnte das eine mit dem anderen ausgleichen.


Manu mit Dackel Gundi


Als wir mit unserem Baby zu Hause eintrafen, wurden wir von unserem Zwergdackel Gundi begrüßt. Ich nahm Manuel aus seiner Tragetasche und stellte Baby-Manu und Dackel Gundi einander vor. Gundi beschnupperte Manu ausgiebig. Und von da an waren die beiden beste Freunde. Manu durfte, was kein anderer gewagt hätte: ins Körbchen krabbeln, an den Ohren und am Fell ziehen und sogar einen leckeren Knochen wegnehmen. Wenn Gundi in Manus Nähe war, durfte sich kein Fremder nähern. Dann mutierte der Dackel zum „Satansbraten“.


Kleine Anekdote aus Manus Leben

Als Manu ca. 13 bis 14 Jahre alt war, hat er die Körperpflege für sich entdeckt. Die Haare wurden gestylt. Die Kleidung wurde wichtig und musste entsprechend modisch sein. Außerdem hatte er sein eigenes Deo, das nicht ganz billig war.

Eines Tages entdeckte er in einem Geschäft dieses Deo um 2DM heruntergesetzt. Da er diese Dinge von seinem Taschengeld bezahlen musste, wanderte das Deo sofort in seinen Einkaufskorb. An der Kasse wollte die Kassiererin den Sonderpreis nicht akzeptieren, da diese Aktion angeblich schon vorbei war. Manu ließ sich jedoch nicht darauf ein. Er diskutierte mit der Kassiererin. Als das nichts half, und die Dame auf ihrem Standpunkt beharrte, verlangte Manu den Geschäftsführer zu sprechen. Der kam auch tatsächlich.

Manu bekam sein Deo für den Sonderpreis.

Als ich von der Geschichte hörte, war ich sehr stolz auf meinen Sohn.


Mon Cheri

Manu brachte mir hin und wieder Mon Cheri, die ich sehr gerne nasche, von der Arbeit mit. Einmal brachte er einen größeren Vorrat. Als ich staunte über die große Anzahl, sagte er, eine Kollegin habe mitbekommen, dass er öfter diese Süßigkeiten kauft. Er erklärte ihr, die Mon Cheri seien für mich, seine Mutter. Daraufhin gab sie ihm noch zusätzlich einige aus ihrem eigenen Vorrat mit. Wenn ich längere Zeit keine Mon Cheri bekommen hatte, und ich mich dezent beschwerte, dann sagte er: „Mamaaa, Sommerpause!“ Dieser Dialog wiederholte sich jedes Jahr, deshalb das langgezogene aaa.


Die Geschichte mit dem Schwimmteich

Im Frühling 2006 erstellte ich eine „to-do-Liste“ für Manu. Da gab es Punkte wie Manus Zimmer renovieren, Keller aufräumen usw.. Der letzte Punkt war –Schwimmteich anlegen-
mit Unterpunkten wie: Bäume fällen, Erde abtragen, Teich ausheben usw..

Eines Tages brachte ich einen Besucher vor die Haustür. Während wir noch sprachen, sagte er plötzlich: „Da wackelt ein Baum im Garten!“ Ich drehte mich um, und sah eine hohe Tanne bedenklich schwanken, und das ohne Wind.

Ich eilte in den Garten, und sah wie Manu und einige seiner Freunde an einem Seil hingen und die Tanne umfiel. Dann guckten mich drei oder vier lachende Gesichter an und ich hörte nur: „Poolparty !“

Mein Sohn wollte die „to-do-Liste“ von unten abarbeiten, stellte ich fest.

Der Baum lag quer über meinem Teich. Einige Tage zuvor hatte ich noch Schlüsselblumen gepflanzt. Als ich die Jungs darauf aufmerksam machte, hörte ich nur: „Ja, ja, wir passen auf.“ Das sah ich dann auch, als sie mit ihren großen Füßen quer drüberlatschten.

Aber ich war froh, dass die Tannen jetzt gezielt gefällt wurden, da ich bei jedem Sturm Angst hatte, ein Baum könnte unkontrolliert in Nachbars Garten fallen.

Eines Tages sah ich Manus Freunde im Garten arbeiten. Sie sägten, hackten und schleppten Baumteile. Als ich fragte, wo ich Manu suchen müsste, sagten sie mir, er wäre mit Martin unterwegs, um irgendetwas anderes zu tun. Aber er würde auch bald kommen.

Ich war wirklich froh, dass mein Garten so riesig war, so dass sich auch große Jungs austoben konnten.

Irgendwann musste auch das „knifflige Bäumchen“ gefällt werden (siehe auch Thommy’s Geschichte). Es kam wie es kommen musste: der Baum lag in Nachbars Garten. Das Schlimme war eigentlich gar nicht der kaputte Zaun (der ließ sich ja wieder reparieren),
sondern das Bäumchen auf Nachbars Rasen. Ich wusste, dass dieses Bäumchen ein sehr seltenes Exemplar war und entsprechend gehegt und gepflegt wurde.

Jetzt war von dem Bäumchen allerdings nichts mehr zu sehen. Es war vollständig unter der riesigen Tanne begraben. Und ich dachte: „Das ist wohl das Ende von zierlichem, empfindlichem Bäumchen.“

In Windeseile wurde die Tanne jetzt zerlegt und abtransportiert. Endlich wurde auch Nachbars Bäumchen wieder sichtbar. Und es war kaum zu glauben: Der Baum hatte überlebt. Er hatte keinen Schaden davon getragen. Nicht ein einziger Zweig war geknickt. Das fand ich schon sehr merkwürdig.

Die Planung dieses Projektes war nahezu abgeschlossen. Thommy hatte alles, was man über einen Schwimmteich wissen musste, aus dem Internet rausgesucht. Ein Bekannter hatte sich bereit erklärt, während seines Urlaubs den Teich auszubaggern. Ein Ort für die anfallende Erde war auch gefunden. Die Poolpartys schienen in greifbare Nähe gerückt.

Und dann kam der 7. Juni 2006 !



Manu schreibt e-mails

Manu nutzte meinen Computer oft, um seine e-mails zu checken. Einmal saß er da und schrieb eine längere mail an einen Freund. Seine Schwester Uli wartete neben ihm darauf, dass er fertig wurde. Plötzlich meinte Uli: „Du schreibst ja ohne Punkt und Komma !“
Manus Antwort: Wozu braucht der Punkt und Komma, um das zu lesen?“

Das war typisch Manu: Nur keine Zeit verschwenden.
 
Noch heute höre ich den Klang seiner Stimme während er das sagte. Auch diese kleinen Schwächen machten ihn so liebenswert.