Wir vermissen Manu seit:




Gedanken von Manuel's Freunden
Brief von Yvonne



   



Thommy

Ich habe lange überlegt, was ich zu dieser Seite beitragen soll, bzw. was ich überhaupt schreiben soll. Sicher bin ich mir immer noch nicht. Einige schildern die Erlebnisse des 07.06.2006 und da stellt sich die Frage, ob ich mich diesen Gedanken wieder hingeben möchte. Vielleicht schreib ich einfach ein paar Sachen, die mir spontan einfallen, wenn ich über Manu nachdenke.
Ich hab Manu Karneval 2005 kennengelernt. Ich war mit Micha abends in der Stadthalle und er meinte ein Kumpel von ihm würde später noch vorbeischauen. Manu rief dann bei Micha an und sagte, dass er gerade angekommen ist. Er stand mit seinem Auto vor der Stadthalle auf dem Parkplatz und hat auf uns gewartet. Ich bin dann mit Micha raus zu ihm ins Auto gegangen. Er hatte wohl etwas Stress mit seiner damaligen Freundin (weshalb weiß ich nicht mehr). So hab ich ihn kennengelernt. Ich weiß auch gar nicht mehr wie es danach genau verlief, aber irgendwann haben wir uns dann eigentlich täglich getroffen und haben tausend Sachen zusammen gemacht. So entwickelte sich eine gute Freundschaft mit der Zeit. Mit Manu war eigentlich immer irgendwas gebacken. Einer der coolsten Aktion war eigentlich das Projekt „Schwimmteich“. Im eigenen Garten sollte ein Schwimmteich entstehen und dazu mussten erstmal die ca. 20 m hohen Tannen gefällt werden. Weder Manu noch ich hatten damals richtige Ahnung vom Baumfällen. Die Breite des Gartens reichte gerade so für die Länge der Bäume, haben wir gedacht. Baum 1 fiel, Baum 2 fiel, Baum 3 fiel. Alles wunderbar. Dann kam das knifflige Bäumchen. Keine Ahnung wie hoch, aber der musste schräg fallen, damit er nicht in Nachbars Zaun knallte. Wir haben in bester Cowboy-Manier das Seil um den Baum geworfen und gingen mit der Axt und mit der Säge ans Werk. Es knackte und knirschte bereits. Ich glaube ich war am Ende des Seils, um dem Baum noch die richtige Richtung zu verpassen. Irgendwie hat das mit dem Sägen und dem Ziehen nicht ganz so geklappt wie wir uns das vorgestellt haben und zack lag das Ding im Zaun vom Nachbarn. Tja, was nun. Den Baum haben wir dann erstmal in tausend kleine handliche Stücke zerteilt und „abtransportiert“. Der Nachbar fand’s nicht ganz so schlimm und der Zaun wurde wieder repariert. Die ganze Aktion lief glaube ich über eine Woche oder so, aber sie hat einfach nur Bock gemacht. Leider ist der Schwimmteich nie fertig geworden und die geplanten Poolparties haben nicht stattgefunden. Dies war aber nur eine Aktion, die mir in Erinnerung geblieben ist. Manu war eigentlich für jede Schandtat bereit und wenn ich hier alles aufzählen müsste, dann würde wohl die Speicherkapazität der Homepage nicht ausreichen.

An den 07.06.2006 will ich eigentlich gar nicht mehr denken, ich will nicht daran denken, wie ich mit Jurij zur Unfallstelle gefahren bin, damit wir uns sicher sind. Ich will nicht daran denken, wie uns der Abschleppwagen mit dem Motorrad entgegengekommen ist. Auch nicht daran, dass die Polizei uns keine Auskunft geben wollte oder wie wir bei Lilian waren und keiner ein Wort sagen konnte oder auch wollte. Ich will nicht daran denken, wie die Welt plötzlich sinnlos erschien und man alles wie im Film durchlebte. Ich will einfach nicht daran denken, dass ich in diesem Moment meinen besten Freund, der für mich wie mein Bruder war verloren habe. Diese anderthalb Jahre mit Manu waren einfach unbeschreiblich und viel zu kurz. Und wir sahen uns quasi schon im hohen Alter am Kneipentresen…

Einen Freund wie Manu es war werde ich wohl nie wieder im Leben kennenlernen. Auf der einen Seite spiegelt dies Manu’s Persönlichkeit und seinen Stellwert in meinem Leben wieder, aber auf der anderen Seite macht es auch einfach nur unheimlich traurig.

Einige sagen, dass solche Schicksalsschläge den Menschen härter machen, aber ich kann sagen man wird nicht härter, man wird anders.

Die Monate nach dem Unfall sind eigentlich nicht zu beschreiben. Man war eigentlich immer unter Freunden, aber man fühlte sich alleine. Keiner konnte einem helfen. Viele lange Besuche auf dem Friedhof haben auch keinen Trost gespendet. Die Zeit verging, viele können wieder lachen, aber man selbst hat immer noch einen Schatten auf der Seele. Man lernt mit der Situation zu leben. Ich denke täglich an Manu und ich bin mir sicher, nein ich weiß, wenn der Zeitpunkt gekommen ist und Gevatter Tod an meinem Bett steht, dann wird Manu kommen und sagen „Halt, den Thommy hol ich selber ab“ und der Himmel wird zur Endlosparty…



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